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Donnerstag, 10. September 2009

Die Bibel auf Hutterisch

Unsere werten Leser erinnern sich an unseren letzten Beitrag zu Sprache und Kärnten, das Kärntner Soundboard n°2. Nun wird das Kärntnerische zur Hauptsache in Kärnten selbst gesprochen, erweitert natürlich durch eine Diaspora ins weitere Österreich und die Welt.

Wir möchten nun hier eine Personengruppe vorstellen, die man sprachlich wohl als "Kärntner Cousins" bezeichnen mag. Die Rede ist von den Hutterern, oder Hutterischen, einer heute in den USA und Kanada lebenden religiösen Gemeinschaft, die aber dort erst nach langer Wanderschaft gelangt ist und ihre Wurzeln im Tirol der Reformation hat. Die Hutterer, nach dem eponymen Gründervater Jakob Hutter (+1536), sind Täufer, die das Bekenntnis zu einer urchristlichen Gütergemeinschaft zu leben versuchen. Nach Verfolgungen liessen sie sich für knapp hundert Jahre in Mähren nieder, von dort zogen sie nach Niederösterreich, und schliesslich nach Ungarn und Siebenbürgen.

1755 nun traf in Siebenbürgen auch eine Gruppe von sogenannten "Transmigranten", d.s. unter Maria Theresia deportierte Protestanten, ein. Die Mehrzahl dieser sogenannten "Landler" stammte aus Kärnten. Einige von ihnen schlossen sich den Hutterern an. In diese Ehe mit brachten sie ihre Sprache - der von den Hutterern gesprochene Tiroler Dialekt wich dem Kärntnerischen.

Die heutigen Hutterer haben nun eine CD mit Bibelgeschichten aufgenommen, gesprochen in ihrer Muttersprache.
"Der Himmel Voter is ollmechtich, geduldich und sa Lieba gegen seina Kinder heat nia auf. In Hutterischa Bibel Tschichtlen 1 wean sechs bekonnta Tschichtlen vun Olten Testament klor und anfoch aff Hutterisch verzelt. Scheana, forbenreichen Bildlen gean guet mit und mochen die Tschichtlen lebendich.
Kinder wean leanen wie der Himmel Voter die Welt hot gmocht, wie er die Welt hot zerstert wall die Leit sein schlecht gwesen und wie wichtich es is in Himmel Voter fulgen.
"1
Auf ihrer Webseite kann man/frau, und dazu laden wir sie herzlich ein, ein Probekapitel aus dieser CD hören: "Gonz in Ofong" (Ganz am Anfang).

Viel Spass beim Hören wünscht
Ihre Backstube

ps: Ein verwandtes Thema wäre das "Pennsylvania Dutch", das u.a. von den Amish (Amishen) gesprochen wird.

Sources:
http://de.wikipedia.org/wiki/Hutterer
http://en.wikipedia.org/wiki/Hutterite#Dialect
http://hbbookcentre.com/hutterischabibltschichtlen1.html

Freitag, 5. Juni 2009

Kärntner Soundboard 2





Nach dem grossen Erfolg des ersten Kärntner Soundboards freuen wir uns, das Kärntner Soundboard 2 präsentieren zu können. Vielen Dank für alle Wortspenden, die uns erreicht haben.

Da Kärnten zweisprachig ist, freuen wir uns über alle slowenisch- wie deutschsprachigen Beiträge (mail an: cyberjausn [at] gmail.com). Wiener, Ukrainer, und auch Steirer [etc.]: schickt Eure soundfiles für ein weiteres Backstube Soundboard. Viel Spass!

„Tuast schon wieda hamtrutzn?!“ – Frage, mit Unverständnis an eine Person gerichtet, die einen geselligen Abend verlassen will. (Nicht auf hochdeutsch übersetzbar, Umschreibung: „Sag bloß, du möchtest schon nach Hause gehen?“)

„Wås håstn jetz schon wieda fia an Tschatsch gekaft?“ (Umschrift: „Was hast du denn jetzt schon wieder für einen Tschatsch gekauft?“, Übersetzung: „Was hast du nur wieder für nutzloses Zeug gekauft?“)

„Ausred, valåss mi nit!“ (Umschrift:„Ausrede, verlass mich nicht!“) – Satz, der einer Person unterstellt, dass sie sich vor einer Verantwortung durch eine Ausrede drücken will. Übersetzung: „Du willst dich doch nur drücken.“

„Deine Stranggelen kånnst da sölba klaubm.“ Stranggelen: Fisolen (österr.), Grünbohnen (BRD). Der Satz drückt die Weigerung aus, für den Gesprächspartner selbige zu ernten. Übersetzung in etwa: „Deine Fisolen/ Grünbohnen mußt du dir selbst ernten.“

„A so a Tschriasche!“ Tschriasche: Kretin, dummer, einfältiger Mensch. Übersetzung in etwa: „So ein Idiot!“

„Die Hittn is jå total auf da Lemppa.“ die Hittn: das Gebäude. auf da Lemppa: in schlechtem Zustand. Alternative: zåmmgriessn (zusammengerissen). Übersetzung in etwa: „Das Gebäude ist ja in einem furchtbaren baulichen Zustand.“

„Wås isn dås fia a Tschåch?“ Tschåch: Mühe, Quälerei. Kontextabhängig kann diese Floskel vieles bedeuten und ist deshalb vielseitig einsetzbar. Beispiele: lange Fahrt oder Fußmarsch. Übersetzung in etwa: „Mann, ist das jetzt aber anstrengend.“

„So isses.“ Übersetzung z.B.: „Ja, genau!“

„Tu, wie spåt issn übahaupt?“ Tu: Du, aber als verstärkendes Anredeelement gebraucht. Übersetzung: „Kannst du mir bitte sagen, wie spät es eigentlich ist?“

„Mit dem Schas kånnst glei åbfåhrn.“ Schas: eigentlich „Furz“; übertragen Blödsinn, unrichtig, nicht funktionierend. Übersetzung in etwa: „Das kannst du vergessen.“ „Das klappt nie.“

„So a långa Lulatsch!“ Lulatsch: groß gewachsener, eher schlaksig wirkender Mann. Übersetzung in etwa: „Das ist aber ein großer Kerl!“

„A weats noch ane Wiaschtln?“ (Umschrift: „Werdet ihr noch Würstchen?“, Übersetzung: „Möchtet ihr noch Würstchen?“) – Zu beachten in diesem Satz ist (1) das Fragepartikel „a“, das vor Entscheidungsfragen gestellt wird (Ursprung aus der slowenischen Grammatik: „A boste še klobase?“), sowie (2) der unbestimmte Pluralartikel „ane“, der weder in deutscher noch slowenischer Grammatik existiert, sondern nur im Deutsch-Kärntner Dialekt, im Slowenisch-Kärntner Dialekt sowie in einigen anderen slowenischen Dialekten gebräuchlich ist.

„Mitn Franzi wårma am Berg obn.“ (Umschrift: „Mit Franz waren wir am Berg oben.“, Übersetzung: „Franz und ich waren am Berg.“) – Zu beachten in diesem Satz ist das Derivat der slowenischen dualen Verbform in der grammatikalischen Konstruktion. Das „wir“ bezeichnet in diesem Fall zwei Personen, von denen eine der/die Sprecherin ist, die zweite Person ist durch das „mit Franzi“ bezeichnet.

„Des weast jå wohl datrågn!“ (Umschrift: „Das wirst du ja wohl dertragen!“, Übersetzung: „Du bist doch kräftig genug, um das zu tragen!“) – Zu beachten in diesem Satz ist das Partikel da-, das vor Verben gestellt werden kann. Es drückt eine abgeschlossene Handlung aus bzw. – wie in diesem Beispiel – eine Aufforderung zu einer Handlung, die abgeschlossen werden kann. Weitere Beispiele: „I håbs nit aufedahobn.“; „I håb’s noch nit durchdalesen.“) Eine Verbindung dieser grammatikalischen Eigenart des Deutsch-Kärntnerischen zur Unterscheidung von vollendeten und unvollendeten Verbformen in slawischen Sprachen kann vermutet werden.

„Mah, mir tuan die Fiaß weh!“ (Umschrift: „Mir tun die Füße weh!“, Übersetzung: „Meine Beine schmerzen!“) – Zu beachten in diesem Satz ist die Verwendung der Wortes „Füße“ für Beine. Diese Verwendungsweise hat ihren Ursprung wahrscheinlich im Slowenischen, wo das Wort „noga“ ebenfalls Fuß wie auch Bein bezeichnet. Dasselbe gilt auch für das Wort „Hånd“ (pl. „die Hend“), das sowohl für Hand als auch für Arm steht (vgl. slo. „roka“ – Hand, Arm).

„I håb’s imma lei mit die Handsch ångegriffn!“ (Übersetzung: „Ich habe es immer nur mit Handschuhen angefasst!“) – Zu beachten in diesem Satz ist (1) das Wort „lei“ für „nur“, ursprünglich vom Slowenischen „le“ (dt. „nur“) sowie (2) die Verwendungen des Akkusativ mit der Präposition „mit“. Das Kärntner Deutsche hat eine generelle Tendenz, den Dativ durch den Akkusativ zu ersetzen, so auch mit den Präpositionen „bei“, „von“ etc.

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